Veröffentlicht in Alltag

Es wird Zeit für Qualitätsmanagement

Ich werde bald vier Jahre alt und da wird es Zeit, in meiner Kernfamilie einmal eine Qualitätsüberprüfung durchzuführen. Ich muss schließlich wissen, ob meine Eltern ihre Sache gut machen.

Diese Überprüfung findet natürlich durch externe Prüfer statt, nämlich durch die Kuschelpuppe namens Mathilde. Sie hat hierfür ein spezielles Verfahren entwickelt, welches Erläuterungen über die Qualität meiner Eltern und ihre Erziehungsaufgabe aufzeichnet und darstellt. Sie hat sich hierbei an den Vorgaben der Qualitätsanalysen für Schulen im Land NRW orientiert. Diese haben Mathilde nämlich sehr beeindruckt: man befragt dort nämlich ein paar Personen, guckt ein bisschen im Unterricht zu und stellt diese Ergebnisse dann dar. Entscheidend ist hier aber vor allem, dass nicht verglichen werden darf und dass man auch nicht erfährt, warum man schlecht abgeschnitten hat (wenn man überhaupt schlecht abschließt).

Ich dachte mir, dieses Verfahren eignet sich auch gut für meine Eltern, denn Mathilde wird nur mich und meine Eindrücke zu meinen Eltern befragen und diese Ergebnisse werden dann statisch ausgewertet. Das Gesamtergebnis, welches aus circa 20 Kriterienpunkten besteht, werden meine Eltern bekommen und Mathilde wird es ihnen auf Wunsch erläutern. Sie werden aber nicht erfahren, ob das Ergebnis gut oder schlecht ist, da es ja keine Vergleichsgruppe gibt, und wir werden ihnen auch nicht sagen, was konkret schlecht war, und wie man es verbessern kann.

Vermutlich stößt dies auf Irritationen, aber hier keine kurze Erläuterung:

A) Mathilde weigert sich, Vergleichsgruppen zu erstellen, denn das würde für sie Mehrarbeit bedeuten. Sie müsste ja noch andere Kinder befragen und andere Familien beobachten, und Mathilde arbeitet nicht gerne..

2) Würde man meinen Eltern mitteilen, dass sie etwas nicht gut machen, oder ihnen Verbesserungstipps geben, so könnten sie demotiviert werden, und das hätte ggf. Nachteile für mich. Sie sollen einfach nur das Gefühl bekommen, einmal überprüft zu werden, mit einem Ergebnis was akzeptabel ist: es darf nicht zu gut sein, aber auch nicht zu schlecht. Versteht ihr?

Hier übrigens eine Auswahl der Kriterien:

  1. Schlüsselkompetenz: Backen und Stricken: Die Eltern fördern das Kleinkind in diesen Fähigkeiten, um es auf die alltäglichen Aufgaben des Lebens vorzubereiten (Kompetenzbezug: Leben)
  2. Schlüsselkompetenz: Einschlafbegleitung: Es wird die Dauer der Einschlafbegleitung für das Kleinkind gemessen, d.h. wie lange bleibt das Elternteil abends beim Kleinkind, bevor es einschläft (Kompetenzbezug Schlafen)
  3. Schlüsselkompetenz: Gesunde Ernährung: Es werden die Anzahl der Nudeln, der Reiskörner oder aber der Kartoffeln gezählt, die das Kleinkind auf seinem Teller hat (Kompetenzbezug Essen).

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